Eigentlich schade

vom 24. August 2010

Als ich mich vor ungefähr drei Jahren bei Facebook angemeldet hatte, war da noch nichts los. Die einzige deutsche Fansite war "Germany, the land of brezels and beer" und hatte ca. 150 Mitglieder. Ich hab dem ganzen auch keine große Bedeutung mehr geschenkt, da ein Social-Network ohne Freunde nicht besonders viel Spaß macht. Da war Twitter schon lustiger, vorausgesetzt man wollte immer genau wissen, was gerade so im Netz hyped. Doch im Großen und Ganzen war das für die meisten in Deutschland ziemlich irrelevant.

StudiVZ war der heiße Scheiß für alle, die keine andere Möglichkeit hatte sich im Web mitzuteilen. Man gruschelte sich gegenseitig und verlinkte sich auf Partybildchen. Diejenigen, die ein eigenes Blog hatten und einen RSS-FeedReader bedienen konnten, hatten zu der Zeit (schlimm jetzt schon "zu der Zeit" zu schreiben!) eine tolle Möglichkeit schnell an selektierte Informationen zu gelangen und sich der Welt zitierfähig mitzuteilen.

Heftige Diskussionen wurden in Blogs geführt, Streitereien ausgetragen, Geheimnisse ausgeplaudert und zu jedem Problem gab es schon jemanden, der die Lösung in seinem Blog veröffentlichte. Doch seit circa einem Jahr scheint sich wieder ein Medienwechsel durch das Web zu ziehen. Und zum ersten Mal gefällt mir nicht, was ich erlebe.

Betrachte ich meinen Feedreader, rauschen zwar noch in gewohnter Regelmäßigkeit Artikel von Lifehacker, io9, Spreeblick und Nerdcore durch, doch die Blogs meiner Freunde sind seit Monaten stillgelegt. Das Blog meiner Freundin ist schon seit einem halben Jahr tot, der letzte Twitter-Post ist von gestern. Sterben gerade die kleinen Blogs weg, ohne dass es uns bewusst wird? Ist RSS/Atom Käse von Vorgestern, für das seit Facebook-Pinwand und Twitter-Timeline kein Bedarf mehr besteht?

Woran liegt es, dass keiner mehr Lust hat zu bloggen? Liegt es an den ganzen Social-Networks, dass niemand mehr die Muse hat, sich für einen Blogartikel Mühe zu geben? Ich kann nur für mich sprechen: Seit Twitter und Facebook hat sich für mich das Verständnis für einen Blogartikel stark verändert. Ein Tweet muss nicht originell oder fehlerfrei sein. Selbst wenn keiner es versteht, in zwei Tagen ist der Eintrag schon unterhalb des Browserfensters verschwunden und keiner wird ihn vermissen. Bei einem Blog-Artikel sieht das nun ganz anders aus: Einmal geschrieben, gleich von Google erfasst und für alle Ewigkeit im Netz. Über die Kommentare (vorausgesetzt man hat willige Kundschaft) wird auf jeden Fehler hingewiesen, der Chef liest mit und der Link dazu landet in der Bookmarksammlung.

Diese Vorstellung schreckt ab. Auch mit diesem Blog-Beitrag habe ich wieder mal ewig gewartet. In den vergangenen Monaten ist so viel passiert, über das ich schreiben wollte, doch nie fand ich es würdig genug. Warum auch immer. Diesem Trend will ich in Zukunft wieder gegensteuern und gelobe Besserung.

(Die Datumsangabe ist vom letzten veröffentlichten Blogbeitrag) Ganz speziell will ich Bea (~2009), Klaus (Februar 2010, ich bin enttäuscht!), Florian (Mai 2010), Till (Februar 2010, dir sei verziehen), Ruben (Dezember 2009), Kai (Juni 2010, vorbildlich!), Markus (Juni 2010), Daniel (August 2009), Andreas (August 2009), Thomas (November 2009) und alle anderen vergessenen Freunde dazu anregen, mal den Spam aus den Kommentaren zu löschen und mal wieder zu bloggen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir -- ja wir, die die Blogosphäre erschaffen haben -- die Blogs wieder auferleben lassen und Texte verfassen, die länger als 144 Zeichen lang sind.

delicious bookmark del.icio.us, Als ich mich vor ungefähr drei Jahren bei Facebook angemeldet hatte, war da noch nichts los. Die einzige deutsche Fansite war \"Germany, the land of brezels and beer\" und hatte ca. 150 Mitglieder. Ich hab dem ganzen auch keine große Bedeutung mehr gesc


Kommentare


Thomas K am 25. August 2010
Hey du hast mich vergessen!
Letzter Post: 12 August 2010

Aber es stimmt. Es wird weniger gebloggt und mehr im Facebook geschrieben und meiner Ansicht nach hauptsächlich nur noch von Backpackern genutzt um die Lieben und Freunde daheim zu informiert zu halten. Diese Blogs sterben auch meist nach Reiseende.

Ich selbst schreibe meinen Blog als eine Art öffentliches Tagebuch und dem ich auch selbst hin und wieder durch alte Beiträge stöbere. Im Facebook und Twitter ist das wegen dem kurzlebigen Zeug das man posted weniger möglich.

Ich hoffe du schreibst bald auch wieder mehr :)

Aaron am 25. August 2010
Hallo Thomas!
Ich hab dich mit Absicht nicht erwähnt, da du einer der wenigen bist, die tapfer weiterbloggen (und auch immer fleißig kommentierst, was auch keine Selbstverständlichkeit ist). Das finde ich sehr bemerkenswert!

Ich werde versuchen in Zukunft mehr zu schreiben.
Viele Grüße nach Australien!

Martin R am 27. August 2010
Hallo,

Das mit dem Blog sterben ist mir auch aufgefallen. ich vermute aber das es den meisten Bloggern geht wie mir. ich denke häufiger "darüber sollte ich was schreiben" aber wenn ich dann Zeit dafür hätte kommt es mir doch nicht mehr so wichtig vor. Außerdem ist es wie du schon sagst, das wissen das es für ewig im Internet sein wird und gefunden werden kann schreckt schon etwas ab.

ich hoffe ich habe auch bald wieder was zu bloggen ... bei mir sind es seit dem letzten Artikel in 2 Tagen ein Jahr.

Andreas am 29. August 2010
Hallo Aaron,

danke für den Blog-Post! Letztens habe ich mich mit Roy unterhalten und wir haben auch darüber geredet, dass es echt schade ist, dass wir schon so lange nichts mehr gebloggt haben. Ich hätte so viele Themen gehabt, über die ich gerne geschrieben hätte. Ja es war wenig Zeit im letzten Jahr. Aber irgendwie ist das auch nur eine Ausrede, die ich immer wieder vor mir hinschiebe. Roy und ich geloben Besserung und ich versuche auf jeden Fall ab September wieder regelmäßiger zu bloggn, da ich ja jetzt auch im Berufsleben bin und es auf jeden Fall viele interessante Themen gibt, die nur darauf warten niedergeschrieben zu werden!

Grüße
Andreas

kb am 1. September 2010
Zerfall habe ich zur Ruhe gelegt, bevor ich überhaupt noch richtig aktiv in Facebook war. Aber Blogs müssen nicht sterben.

Demnächst starte ich wieder einen, und das nicht alleine. Was wirklich stirbt, sind Blogs die Alleine und in Tagebuchform geführt werden.

Aber ich kann es hier ja schon mal ankündigen: Urkritik wird wieder auferstehen! Design ist schon so gut wie angefangen (nicht von mir, zum Glück ;) ), ein paar Beiträge sind schon geschrieben und eine Handvoll weitere Autoren habe ich schon an der Hand.

Aaron am 1. September 2010
Cool, das freut mich!
Das stimmt schon, das Private verschiebt sich zur Zeit sehr in Richtung der Social Networks, fachspezifische Inhalte passen da noch nicht so wirklich rein.

Ich bastel schon seit zwei Jahren an einer ähnlichen Idee wie du, leider hab ich nie richtig Zeit dafür gefunden. Vielleicht ist jetzt der kritische Zeitpunkt erreicht wo ich es angehen oder ganz sein lassen sollte.

Ruben am 2. September 2010
Hey Aaron,

toller Aufruf - du hast ganz recht, mir ist das auch aufgefallen. Mir selbst geht es so, dass ich mich zwischen Büro und Privat entscheide ... ich habe bemerkt, dass ich auf Dauer nicht für beides Zeit habe. Und am Ende bringt mir z.B. das 3D-Experiment oder SocalNetworken fürs Büro mehr, als privat.

Ich habe mittlerweile sogar meine private Domain rubenmueller.de gekündigt und rubn.de habe ich nur noch aus Nostalgiegründen. :D

@kb: Ich bin gespannt, was dabei herauskommt!

Aaron am 2. September 2010
@Ruben: Ihr habt jetzt auch Facebook und Co. entdeckt :)
Ich finde die Social Networks für das tägliche BlaBla okay und um ab und an mal nen Bildchen zu posten. Doch für wirklichen Content zwischen Print und Twitter sind Blogs immer noch das beste Medium. Allerdings denke ich, dass es durchaus noch Alternativen gibt, die nur ausprobiert werden müssen. (Mehr demnächst :)

Jörg am 5. November 2010
Hey Aaron,

auch wenn ich das ganze recht spät lese, finde ich deinen Beitrag gut und sehe es genau wie du...

Ich hab Mir eben gedacht, dass ich wieder mehr an meinem Blog arbeiten sollte, da es mir ja doch immer Spaß gemacht hat dort zu texten.

Lass uns die Blogs am Leben erhalten!

Viele Grüße
Jörg