Bääm!

vom 4. December 2008

Da lag ich also. Total am Ende, vollgepumpt mit Medika, gelb wie die Simpsons, die Infusion im Arm und Reste von klebrigem Ultraschall-Gel auf dem Bauch. Unfähig aufzustehen, lag ich in einem kleinen sterilen Kämmerlein in der Notaufnahme und wartete auf den im Gesicht mit Akne übersähten Doktor. Er fragte mich unzähliche Dinge - das glaubte ich zummindest - und fingerte an mir herum. Irgend wann ging er wieder und ein Zivi brachte mich in die "innere". Das ist der Teil des Krankenhauses, in dem Leute liegen, die keine Mägen haben oder die auf ihre Magen/Darm-Spiegelung warten um mit Sonden nach Tumoren zu suchen.

Ich schlief eine ganze Weile und als ich aufwachte lag ich zwischen zwei älteren Männern. Der ohne Magen war eigentlich recht still, der andere war offensichtlich Kapitän von irgend einem Kutter im Norden und musste immer reden. Ich war richtig froh, als er dann mit Kotzen und Scheißen beschäftigt war, so konnte ich wenigstens etwas schlafen. Ich schnappte ab und an Fetzen auf: "Ihr Stuhl muss Kamilletee-Farben sein, sonst bringt das nichts.". "Aber ich trink doch gar kein Tee.". "Soll ich ihnen einen machen machen, damit sie selbst vergleichen können?",... Irgend wie tat er mir dann wieder leid.

Mitten in der Nacht wachte ich schweißgebaded auf, scheiß Drüsenfieber. Der Mann ohne Magen machte eigenartige "Plop"-Geräusche im schlaf, die ich nicht deuten konnte. Ich dachte eine ganze Zeit lang, die kämen von drausen, war aber nicht so. Der Kapitän saß mal wieder auf dem Klo und ballerte die Schüssel voll. Zu dumm, dass die Lüftung ausfiel, denn es roch ziemlich mies. Ab diesem Tag ging ich im Gang aufs Klo.

Vier Tage lang lag ich neben den beiden. Jeden Morgen schraubte eine Schwester zwei Bäutel Infusion an meinen "Anschluss-Stutzen", den ich bei der Einlieferung verpasst bekommen hatte. Erinnerte mich irgend wie an Matrix. Ausser Frühstück um sieben, Mittagessen um 12 und Abendessen um fünf passierte dann nicht mehr viel. Die ersten Tage schlief ich fast durch, die letzten beiden Tage waren sterbenslangweilig. Das einzige, was ich vor mir sah, war eine Kopie eines Gemäldes von Georgia O'Keeffe "One Hundred Flowers". Nach 20 Minuten konnte ich es nicht mehr sehen. Ich war so froh, als ich mich mehr oder weniger selbst entlassen konnte. Meine Entlassungspapiere waren noch nicht fertig, aber ich ging trotzdem. Nur raus aus dem Laden.

Epstein Barr Virus Epstein Barr Visus. Quelle: Wikipedia

Wer sich nun wundert, warum ich nun im Krankenhaus war und warum ich mich die letzten Wochen nicht mehr gemeldet habe, sei gesagt: Ich habe mich (warscheinlich im Bus oder in der Mensa) mit dem Epstein-Barr-Virus infiziert, für das es keinerlei Medikamente gibt. Da ich zur gleichen Zeit ein Angina hatte und nicht richtig schlucken/trinken konnte, fehlte der Leber Flüssigkeit und ich brauchte demzufolge Infusionen.

Das Virus ist ansteckend und ich werde deshalb noch eine Woche daheim verbringen müssen. Glücklicherweise funktioniert mein Hirn wieder einigermaßen, so dass ich wieder nützliche Dinge tun kann, wie zum Beispiel Bloggen. :)

delicious bookmark del.icio.us, Da lag ich also. Total am Ende, vollgepumpt mit Medika, gelb wie die Simpsons, die Infusion im Arm und Reste von klebrigem Ultraschall-Gel auf dem Bauch. Unfähig aufzustehen, lag ich in einem kleinen sterilen Kämmerlein in der Notaufnahme und wartete au


Kommentare


kb am 4. December 2008
fuck!
So ernst das ganze ist, das ganze ließt sich trotzdem echt witzig irgendwie. Hattest wohl auch genug Zeit dir das Auszudenken im Krankenhaus, hattest wenigstens deinen EEE dabei?

Auf jeden Fall gute Besserung!

Aaron am 4. December 2008
Ja, hatte mein Notebook dabei, allerdings gab es da kein W-Lan. Mittlerweile geht es mir schon viel besser im Vergleich zu der letzten Woche. Ich will endlich wieder in die Vorlesungen!

markus am 4. December 2008
Dann hast du jetzt einen Grund Privatpatient zu werden... :-)

Daniel am 4. December 2008
Ich wünsch dir gute Besserung und kann dein Krankenhaus aufenthalt nachvollziehen. Ich selbst habe dort noch nicht gelegen, aber durch meine Zivizeit auch viel miterlebt.

Hatte nen Zivikollegen mal besucht der ne Woche gelegen hat, war der Horror für ihn, weil es absolut langweilig war.

Markus, Privatpatienten liegen manchmal aus Platzmangel auch in Mehrbett Zimmern ...

Marcel am 4. December 2008
wow, das war sicher ziemlich "beschissen" (scnr)

kann das total nachvollziehen, ich lag auch mal paar tage wegen salmonellen in quarantine.

gute besserung!!!! lass dich nicht unterkriegen von den bösen krankheiten auf dieser welt ;)


btw: wir sollten echt mal wieder ne kleine session machen :) war immer recht lustig "früher"

Andreas am 4. December 2008
Boah fuck!
Ich finde ja schon allein die Luft im Krankenhaus ziemlich erstickend. Wenigstens hattest dein Notebook dabei :)
Da kann ich dir nur gute Besserung wünschen!

Thomas am 5. December 2008
Gut dass du das soweit überstanden hast. Verdaungsprobleme sind voll der Mist.

Gute Besserung auch von mir.